Schweinfurt - Zeugenberichte
"Um 10.07 Uhr konnte ich bei Woensdrecht schwach und unklar die erste Flak erkennen. Ein paar Minuten später tauchten zwei Fw 190 in ein Uhr auf und schossen in einem Frontalangriff durch die Formation vor uns hindurch und tauchten dann hinter uns in einer halben Rolle weg. Bei ihrem Manöver hatten sie zwei B-17 an den Tragflächen erwischt. Fast gleichzeitig stieg eine Rauchfahne bei den beiden B-17 auf, aber sie blieben in Position. Als die Abfangjäger nahe an uns vorbeikamen, nahmen wir sie unter Beschuss. Der beißende Geruch verbrannten Pulvers füllte das Cockpit und der Rückstoß der Maschinengewehre im Bug und unten am Rumpf ließ die B-17 erheben. Ich sah, wie aus der Tragfläche des einen Jägers Stücke heraus brachen, bevor ich sie aus den Augen verlor.
Drei Minuten später meldeten die Schützen, dass Abfangjäger aus allen Richtungen hochstiegen, einzeln und zu zweit, Fw 190 und Me 109. Jedes Geschütz in der B-17 unseres Geschwaders feuerte - der Himmel war von Leuchtspurgeschossen durchzogen. Beide Seiten erlitten in diesem Gefecht Verluste: Zwei Fortresses unserer unteren Staffel und eine aus dem vor uns fliegenden Geschwader fielen brennend aus der Formation heraus, während die Besatzung absprang. Etliche Abfangjäger stürzten in Flammen ab und ihre Piloten segelten dahinter mit schmutzig- gelben Fallschirmen langsam zu Boden. Ich bemerkte außerhalb unserer Reichweite zu unserer Rechten eine Me 110. Sie verfolgte uns den ganzen Weg bis zu unserem Ziel, offenbar, um unsere Position gegnerischen Staffeln, die schon auf uns warteten, zu melden.
Als zwölf Me 109 mit ihren gelben Nasen in einer weiten Kehrwende zwischen zwölf und zwei Uhr zu zweit und zu viert auf uns zukamen, war die Schlacht auch schon im Gange.
Ein silbrig glänzendes Objekt segelte über unserer Tragfläche. Eine Tür vom Hauptausstieg, stellte ich fest. Sekunden später kam ein dunkles Objekt durch die Formation gewirbelt, knapp an den Propellern vorbei. Es war ein Mann mit an den Kopf gezogenen Knien, der wie ein Turmspringer in einem dreifachen Salto herumwirbelte, bevor sich sein Fallschirm öffnete.
Einen B-17 zog langsam nach rechts aus der Formation heraus, blieb aber auf gleicher Höhe. Im Bruchteil einer Sekunde verwandelte sie sich in einen leuchtenden Feuerball, von dem nur vier kleinere Feuerkugeln - Treibstofftanks - übrig blieben, die sofort verbrannten, als sie auf den Boden fielen.
Ich sah, wie eine B-17 langsam nach rechts abdrehte - ihr Cockpit war ein einziges Flammenmeer. Der Copilot hangelte sich aus dem Fenster, hielt sich mit einer Hand fest, langte noch mal hinein, um seinen Fallschirm zu holen, schnallte ihn an, ließ sich fallen - und prallte gegen das Höhenleitwerk. Ich hoffte, dass er den Aufprall überleben würde.
Zehn Minuten, zwanzig Minuten, dreißig Minuten verstrichen und die Abgriffe gingen unvermindert weiter. Die Abfangjäger standen geradezu Schlange, um uns fertig zu machen. Jede Sekunde brachte uns ein Geschoss aus einer Bordkanone.
Das ständige Feuer aus unseren 12,7 mm MG's beutelte unsere B-17 heftig und die Luft im Flugzeug war rauchgeschwängert. Es war kalt im Cockpit, aber als ich zum Piloten blickte, sah ich, wie der Schweiß von seiner Stirn auf die Sauerstoffmaske tropfte. Er überließ mir für eine Weile das Steuer. Es war eine wirkliche Erleichterung, sich darauf zu konzentrieren, auf Position zu bleiben, anstatt die unaufhörlichen Angriffe der deutschen Abfangjäger mitzuverfolgen. Auf diese Weise war man wenigstens abgelenkt. Dann ließ auf einmal der Schütze im Waffenturm auf dem Dach keine halben Meter über meinen Kopf eine Salve los, dass ich das Gefühl hatte, eine Granate explodierte im Cockpit. Ich muss etwa zwanzig Zentimeter von meinem Sitz hoch - gehüpft sein!